6 Wochen Ferien – wie üben?

Endlich Ferien! Die Sonne lockt, der Alltagstrott pausiert und das Waldhorn bleibt vielleicht ein paar Tage länger im Koffer. Die Musikschule hat gechlossen, auch der Unterricht pausiert, das Orchester oder die Blaskapelle findet nicht statt. Draußen ist es heiß und generell wird alles langsamer. Doch irgendwann sind die Ferien vorbei: dann der erste Ton nach der Rückkehr: Er klingt dünn, unsicher und will einfach nicht so sitzen wie vor den Ferien. Kommt das nur vom mangelnden Einspielen – oder steckt mehr dahinter?

Die 14-Tage-Faustregel: Was mit den Muskeln passiert

Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, es steckt mehr dahinter.

Der Ansatz beim Waldhornspielen besteht zu einem großen Teil aus Muskulatur – insbesondere der Ringmuskel der Lippen (Musculus orbicularis oris) und die umliegende Gesichtsmuskulatur. Und diese Muskeln verhalten sich wie jede andere Skelettmuskulatur.

 Sportwissenschaftliche Studien zeigen, dass der Körper bei vollständiger Inaktivität bereits nach rund zehn bis 14 Tagen beginnt, Muskelmasse abzubauen. Diese Faustregel gilt auch für die feine Muskulatur im Gesicht. Nach etwa zwei Wochen ohne Training stellen sich erste Einbußen bei Kraft und Ausdauer ein.

Die gute Nachricht: Muskelkraft baut sich langsamer ab als die Muskelmasse selbst, und dank des Muskelgedächtnisses sind Verluste nach einer Pause in der Regel reversibel und lassen sich oft innerhalb weniger Wochen wieder aufholen.

Die Konsequenz: Auch in den Ferien üben

Das heißt nicht, dass Sie sich in den Ferien täglich zwei Stunden ans Horn setzen müssen. Aber es bedeutet: Komplette "Übepausen" von mehr als zwei Wochen sollten Sie vermeiden, wenn Sie nicht wochenlang mit einem deutlichen Rückschritt zu kämpfen haben wollen. Ein sinnvoller Ferien-Übungsplan könnte so aussehen:

  • Reduziert, aber regelmäßig: Kurze Einheiten von 15 bis 20 Minuten pro Tag reichen völlig aus, um den Ansatz zu erhalten.
  • Abwechslung schafft Abwechslung: Wechseln Sie die Schwerpunkte tageweise ab – mal Ausdauer, mal die tiefe Lage, mal die Höhe. So bleibt es abwechslungsreich und Ihre Muskeln werden ganzheitlich gefordert.

Ein leichteres Stück vornehmen

Die Ferien sind nicht die Zeit, um sich mit den schwierigsten Passagen Ihres Repertoires zu quälen. Nehmen Sie sich stattdessen ein etwas leichteres Stück vor – vielleicht etwas, das Sie vor einiger Zeit schon einmal gut gespielt haben.

Das macht gleich doppelt Sinn: Sie festigen Ihr Können, ohne Frust aufkommen zu lassen, und Sie erleben schnelle Erfolgserlebnisse, die die Motivation hochhalten.

Urlaub ohne Instrument?

Das Mundstück genügt! Falls Sie verreisen und das Waldhorn aus Platz- oder Rücksichtsgründen zu Hause lassen: Nehmen Sie unbedingt Ihr Mundstück mit! Das Mundstück allein wiegt kaum etwas, nimmt keinen Platz weg und ist der Schlüssel, um Ihren Ansatz auch unterwegs zu trainieren.

Hier kommt es aber auf die richtige Herangehensweise an: Mindestens 15 Minuten am Stück: Nur gelegentlich ein paar Mal ins Mundstück zu blasen, bringt wenig.

Planen Sie bewusste Übungseinheiten von mindestens 15 Minuten Dauer ein.

Und regelrechte Übungen (z. B. aus meinen Hornbüchern) machen: Spielen Sie Tonleitern, Dreiklänge, Bindungen und Stoßtechniken – also das, was Sie auch auf dem Instrument üben würden.

Auf sauberen Ansatz achten: Da das Mundstück weniger Widerstand bietet als das ganze Instrument und viel leiser ist, ist die Gefahr groß, mit zu viel Druck zu spielen.

Achten Sie bewusst auf einen entspannten, aber kontrollierten Ansatz.

Der sanfte Wiedereinstieg: Letzte Ferienwoche und erste Woche danach

Doch wie geht es nun genau weiter, wenn die Ferien langsam zu Ende gehen?

Entscheidend ist die letzte Ferienwoche. Steigern Sie in dieser Woche die Übezeit bewusst von den reduzierten 15–20 Minuten allmählich wieder auf 30–60 Minuten – je nach Ihrem üblichen Pensum vor den Ferien. Starten Sie jede Einheit weiterhin mit lockeren Atem- und Ansatzübungen, fügen Sie dann aber nach und nach wieder anspruchsvollere Elemente hinzu.

Das können technische Etüden, Intervallspringe oder Höhenpassagen sein, die Sie vor den Ferien sicher beherrschten – aber eben schrittweise, nicht alles auf einmal. Vermeiden Sie es unbedingt, gleich am ersten Tag auf Teufel komm raus die höchsten Töne zu forcieren; Ihr Muskelgedächtnis aktiviert sich zwar rasch, doch das Bindegewebe und die feinen Muskelfasern brauchen ein paar Tage, um sich wieder an volle Belastung zu gewöhnen.

Diese sanfte Steigerung setzen Sie nahtlos in der ersten Woche nach den Ferien fort. Bauen Sie die Intensität, den Schwierigkeitsgrad und die Spieldauer täglich dosiert aus, bis Sie nach etwa 7 bis 10 Tagen wieder Ihr volles Leistungsniveau von vor den Ferien erreicht haben. So vermeiden Sie Frustration und schützen gleichzeitig Ihren Ansatz vor Überlastung.

Fazit: Ferien ja, Übepause nein!

Die Ferien sind da, um abzuschalten und neue Energie zu tanken – und das gilt auch für Ihr Waldhornspiel. Mit ein paar durchdachten, kurzen Übungseinheiten können Sie aber verhindern, dass Ihre hart erarbeitete Ansatzmuskulatur abbaut. Und mit dem richtigen, schrittweisen Wiedereinstieg kehren Sie ohne Frust, aber mit Freude zurück – schon bald sitzt jeder Ton wieder so rund und sicher wie vor der Auszeit. Gute Erholung und frohes Üben!